«Man erkennt sie am besten, wenn man die Augen zusammenkneift.»
Ein Atelier-Gespräch mit unserem Creative Director Manuel Summermatter und dem Designerduo Isabell und Kyle Solá. Über Archetypen, ehrliche Materialien und darüber, wie knapp die ZURIGA T2 an einem Touchdisplay vorbeigeschrammt ist.
Es ist Montagmorgen im Spätsommer, warmer Nieselregen erinnert an den kommenden Herbst, unten auf dem Rigiplatz rauscht der Verkehr, Autos, Lastwagen, Bus und Tram bahnen sich ihren Weg. Wir sind verabredet mit Isabell und Kyle Solá. Mit dem Designerpaar verbindet uns eine langjährige Partnerschaft. Sie haben massgeblich am Design der ZURIGA T2 mitgearbeitet. Die beiden wohnen hier mitten in Zürich und haben auch ihr Studio Solá Solá im gleichen Haus. Kyle hält uns die Türe auf, sein Sohn sei gerade los in die Schule, come in, good to see you, Isabell just went to the bakery, she’ll be here in a minute, take a seat and let me prepare a coffee.
Kyle, vor 4 Jahren sind wir auf euch zugekommen mit der Bitte, dass ihr Entwürfe entwickelt für ein neues ZURIGA-Modell. Ihr habt aber erstmal vornehm abgelehnt. Zuerst brauche es eine Analyse…
Kyle: …ja, eine Analyse von dem, was schon da ist. Das ist wichtig und eigentlich immer Start und Fundament einer Zusammenarbeit. Wir müssen ein gemeinsames Verständnis der Ausgangslage schaffen.
Ihr habt damals von der «gestalterischen Sprache», von der «Design-Identität» gesprochen?
K: Genau. Ihr hattet mit der ZURIGA E2 ein überaus erfolgreiches Erstlingswerk in die Welt gesetzt. Ein Design-Produkt, das nicht nur bei Architektinnen und Designern, sondern weit über die Designszene hinaus einen Nerv getroffen hat. Zu Beginn eines neuen Projekts versuchen wir jeweils, ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, was das Produkt ausmacht, warum es so erfolgreich ist und woher diese Anziehungskraft kommt.
Ihr habt damals viel über Volumen und Volumen-Subtraktion gesprochen.
K: Aus unserer Sicht ist diese Volumen-Subtraktion ein prägendes Stil-Element. Der technische Kern aus Pumpe, Ventilen und sensibler Elektronik wird mit einem schützenden Mantel aus Stahl und Aluminium förmlich «ummantelt». Dann wird dort, wo es technisch notwendig ist - nämlich bei der Brühgruppe und bei der Tassenablage - ein Volumen herausgeschnitten. Und die Form, die dann übrig bleibt, ist ein Volumen minus ein anderes Volumen. So einfach.
Mittlerweile ist Isabell reingekommen und setzt sich zu uns an den Küchentisch.
Dann habt ihr euch auch die Verbindungslaschen sehr genau angeschaut…
Isabell: Ja, tatsächlich sind diese funktionalen Details ein zentrales Element bei der ZURIGA E2. Diese Laschen, die man erst auf den zweiten Blick sieht - sie verleihen dem Objekt einen industriellen, ehrlichen Charakter. Früher sah man solche Details oft. Heute werden sie meist wegrationalisiert, weil höhere Stückzahlen andere Verbindungstechniken erlauben.
Sowieso hattet ihr ein besonderes Augenmerk auf die Details
K: Oft erkennt man an den Details, wie konsequent ein Hersteller wirklich arbeitet. Wie präzise sind die Schattenfugen, wie sorgfältig sind die Kontaktpunkte für die Eloxierung der Aluminiumbleche. ZURIGA gehört darum zu unseren Lieblingen unter allen Projekten. Dieser fast obsessive Qualitätsanspruch, diese Liebe zum Handwerk - das haben wir bis jetzt nirgends gesehen.
Manuel, du hattest immer wieder vom Archetypen gesprochen.
M: Ja, die Arbeit am Archetyp, die Definition dessen, was für eine Espressomaschine entstehen soll - über alle Disziplinen hinweg - das war die Basis für die Arbeit an der neuen Maschine.
Was verstehst du unter einem Archetypen?
M: Im Design verstehen wir unter einem Archetyp eine erlernte Vorstellung davon, wie eine bestimmte Art von Produkt aussieht und wie sie sich verhält. Diese Vorstellung hilft uns, ein Produkt unmittelbar zu erkennen und einzuordnen.
Das tönt abstrakt, hast du ein konkretes Beispiel? Wie kann ich mir das vorstellen?
M: Am einfachsten, indem du die Augen zusammenkneifst…
…die Augen zusammenkneifen?
M: Ja, stell dir vor, du stehst mit geschlossenen Augen vor einem Tisch mit drei völlig unterschiedlichen Modellen einer Espressomaschine. Nun öffnest du die Augen, aber du öffnest sie nur ganz wenig, du kneifst deine Augen so zusammen, dass du nur unscharf und schemenhaft erkennen kannst, was da vor dir steht.
Gut, ich sehe also jetzt diese drei Objekte…
M: …wir bei ZURIGA suchen nun nach einem Entwurf, der bereits unscharf als Espressomaschine erkannt wird. Wir orientieren uns also am Archetyp einer klassischen Siebträgermaschine, so wie er sich bei uns eingeprägt hat.
Gibt es also nur einen einzigen Archetypen?
M: Nein, für unterschiedliche Arten von Kaffeemaschinen und Nutzungskontexte haben sich unterschiedliche Archetypen herausgebildet. Wir werden immer wieder gefragt, warum wir nicht einfach die bestehende ZURIGA E2 hochskaliert haben. Die Antwort ist relativ einfach: wir orientieren uns an zwei komplett unterschiedlichen Archetypen. Bei der ZURIGA E2 haben wir an einen Archetyp von Heim-Espressomaschinen angeknüpft und ihn gestalterisch verfeinert. Bei der T2 stand ein anderer Archetyp im Zentrum.
Das tönt irgendwie langweilig. Ihr entwickelt also eigentlich gar nichts Neues?
M: Selbstverständlich! Ausgehend von diesem Archetypen entwickeln wir nun unser charakteristisches ZURIGA Design. Dabei stellen wir zuerst einmal alles - wirklich alles - in Frage: Braucht es für die Dampfaktivierung ein Drehrad? Wäre ein Schalter einfacher? Warum wird bei fast allen Maschinen der Boilerdruck angezeigt - die allermeisten Barista können einen Druck von 1.8 Bar gar nicht korrekt interpretieren.
M: Wir hinterfragen also nicht einfach Details, sondern erlernte Konventionen: Was gibt Orientierung? Was ist für die Bedienung wirklich relevant? Was lässt sich verständlicher lösen? Dabei betrachten wir Form, Funktion, Interaktion und Semantik als zusammenhängendes Ganzes.
Sehr schön, wir sind bereits mittendrin. Kyle und Isabell, lasst uns über eure Design-Arbeit bei der ZURIGA T2 reden, wie seid ihr vorgegangen?
K: Ihr seid damals mit dem Wunsch an uns herangetreten, eine neue Maschine zu gestalten. Die Leistungswerte im Innern seien enorm, die Präzision ebenso. Und trotzdem solle die Maschine eine gewisse Ruhe und Zugänglichkeit ausstrahlen…
…die Zugänglichkeit war wichtig?
K: Ja, ich kann mich erinnern, wir haben viel darüber gesprochen damals. Wie «maschinenhaft» muss die Maschine sein? Wie «zugänglich» soll sie wirken? Ich bin in New York aufgewachsen, im Amerikanischen gibt es das Wort «intimidating». Es ist nicht ganz einfach, das Wort sauber ins Deutsche zu übersetzen. Der Begriff «einschüchternd» ist wohl am nächsten dran. Allerdings verwenden wir intimidating oft auch mit positiver Konnotation. At first, I found his presence intimidating, but I soon became fascinated. Eine Maschine wie eine Person, die zuerst beeindruckt, fast einschüchtert, zu der man sich aber dann doch hingezogen fühlt und sich traut, sie anzusprechen. Genau nach diesem Gefühl haben wir auch bei der ZURIGA T2 gesucht.
Wie seid ihr konkret vorgegangen?
I: Ausgangspunkt waren die Erkenntnisse aus der Analyse, eure klare Designsprache und die funktionalen Anforderungen. Gleichzeitig wollten wir uns bewusst den Freiraum nehmen, Grenzen zu verschieben und Bestehendes zu hinterfragen - natürlich immer mit Respekt vor eurer Markenidentität. In einem ersten, freien Entwurfsprozess haben wir uns über Skizzen und Proportionsmodelle an die optimale Form herangearbeitet. Aus dieser Fülle an Ideen haben wir das Ganze schliesslich auf fünf prägnante Varianten reduziert, jede mit einer ganz eigenen formalen und funktionalen Haltung für die neue Maschine.
Wir haben uns dann für das Modell mit dem umlaufenden Blechband entschieden?
M: Ja genau. Wobei ich persönlich ja durchaus Sympathien hatte für eine andere, wesentlich radikalere Variante - aber wir hätten damit die Zugänglichkeit verloren, es war einfach zu weit weg vom Archetypen einer klassischen Espressomaschine.
Das «umlaufende Blechband» entspricht also am ehesten dem Archetypen?
M: Ja, wir glauben, dass wir mit diesem Entwurf ein gutes Gleichgewicht getroffen haben zwischen dem klassischen Archetypen einerseits und der typischen ZURIGA Materialisierung und einer progressiven Designhaltung andererseits. Das umlaufende Blechband gibt der Maschine eine gewisse Ruhe und hält die technischen Elemente im Innern auch optisch zusammen. Gleichzeitig haben wir komplett auf ein hochauflösendes Display verzichtet.
Ja, warum habt ihr eigentlich kein Touchdisplay verbaut?!
M: Tatsächlich gab es im Verlauf des Projektes sogar ein Touchdisplay. Vor allem getrieben durch den Anspruch, dass auch wirklich komplexe Extraktionsprofile einstellbar sein müssten. Wir dachten, dass es dafür ein hochauflösendes Display braucht. Zwischenzeitlich hatten wir dieses fix im Gehäuse verbaut.
Jetzt sieht man davon aber nichts mehr?
M: Ich kann mich gut an den Moment erinnern. Das war vor mehr als zwei Jahren, Freitagnachmittag, kurz vor dem Wochenende also, das Engineering hatte uns die Prototypenmaschine aufgebaut, zum ersten Mal mit dem fix verbauten Display. Ein wirklich hochwertiges Display sogar.
Warum habt ihr euch dagegen entschieden?
M: Wir standen also zu dritt um die Maschine und konnten bereits erste Profileinstellungen verändern. Technisch funktionierte das Display einwandfrei, der Kontrast war gut, die Animationen flüssig - und doch fühlte es sich nicht «richtig» an, irgendetwas stimmte nicht.
An was lag das?
M: Richtig bewusst wurde uns das erst zwei, drei Tage später - ich glaube sogar erst am Montag, nach dem Wochenende, als wir Distanz gewonnen hatten. Es hat sehr viel damit zu tun, wie wir eine Espressomaschine verstehen. Wollen wir ein technologisches, computerähnliches Hightechgerät in der Küche stehen haben? Oder wollen wir ein Werkzeug bauen, eine Maschine mit Dampf, Hitze, Strom, Druck…
…eine Maschine natürlich.
M: Genau, obwohl es sich hier fast ein bisschen zu trivial anhört. Wir verstehen eine Espressomaschine als eine Maschine, als ein Werkzeug, das auch in 10 Jahren noch genauso gut funktionieren muss.
Beim Mittagessen kürzlich hattest du erwähnt, dass du darin auch den grössten Unterschied zu den verschiedenen neuen Espressomaschinen-Projekten siehst…
M: Ja, in den letzten Jahren drängen immer mehr Maschinen auf den Markt. Ligre, Maro, Nunc, Manument, wir freuen uns über diese Konkurrenz und wir sind mit vielen Marken freundschaftlich verbunden. Als Designer finde ich spannend: sie alle orientieren sich an anderen Archetypen, einige zum Beispiel lehnen sich an HiFi-Anlagen an. Und nochmal andere verbauen grosse Displays und weisen damit auf digitale Produkte hin.
Lass uns zurückkehren zur ZURIGA T2. Ihr habt euch also gegen ein fest verbautes Touchdisplay entschieden?
M: Ja. Zum einen, weil es dem Archetyp einer «maschinenhaften Maschine» nicht gerecht würde. Und schon auch, weil wir davon ausgehen, dass wir mit der Smartphone-App eine Lösung gefunden haben, die auch in 10 Jahren noch funktioniert.
Das Display habt ihr mit der App ersetzt?
M: Genau. Die App ist sozusagen die logische Konsequenz. Auf dem Handy oder Tablet sind uns fast keine Grenzen gesetzt. Vor allem aber hat die App respektive das Smartphone einen riesigen Vorteil gegenüber einem fest verbauten Touchdisplay.
Welchen Vorteil?
M: Das Display auf dem Handy wird nicht alt. Wir alle ersetzen unsere «mobilen Endgeräte» im Rhythmus von circa 5 Jahren - manche zum Glück länger, andere schneller. Unsere Smartphones bleiben also auf dem neusten Stand - und damit auch die ZURIGA Espressomaschine.
Und wenn wir irgendwann keine Handys mehr haben?
M: Heute basiert ein Grossteil unserer Kommunikation auf Smartphone-Apps. Vielleicht werden wir in Zukunft nur noch sprachbasierte Endgeräte haben? Vielleicht sind es kleine Displays, die man um den Hals hängt? Oder vielleicht doch riesige zusammenklappbare Displays, die man in der Hosentasche trägt. Wir stellen auf der ZURIGA T2 eine stabile Schnittstelle sicher und programmieren eine saubere Applikation. Die Hardware der Endgeräte darf sich aber frei entwickeln, die Espressomaschine ist bereit.
Die Kommunikation läuft über Bluetooth?
M: Ja genau. Die Funkverbindung hat sich als sehr stabil herausgestellt - im Unterschied zu einer 5G-Verbindung ist die Maschine auch nicht mit dem Internet verbunden, du kannst sie auch auf einer Berghütte oder im Outback betreiben.
Und falls Bluetooth durch ein anderes Protokoll abgelöst werden sollte…
M: …dann lässt sich die Elektronik in der Maschine ersetzen. Das kostet wohl weniger als ein Nachtessen in einem guten Restaurant heute Abend.
Zurück zur App. Wer hat sie gestaltet?
M: Die App haben wir grösstenteils inhouse entwickelt und dann extern coden lassen. Das Konzept entstand intern in enger Zusammenarbeit zwischen Design, Produkt und Engineering. Mitunter am meisten Zeit haben wir damit verbracht, eine «gefühlte Durchgängigkeit» herzustellen. Mit dem Öffnen der App findet ein Medienbruch statt - wir haben versucht, die App trotzdem möglichst nahe an die Maschine zu bauen.
Die Maschine in der App also?
M: Ja, so ungefähr. Wenn du an der Maschine das Profil wechselst, dann wechselt es live auch auf der App. Bei der Veränderung von Brühparametern in der App wird über die Vibra-Funktion ein haptisches Feedback generiert, das an die Verstellung des Chromstahl-Drehrads an der Maschine erinnert. Und ganz Allgemein: die Oberfläche der App folgt der ruhigen, klaren und zeitlosen Design-Sprache, die wir an der Maschine und genauso auf der Website verfolgen.
Es braucht also ein Handy, um die Maschine zu bedienen?
M: Nein. Und das ist wichtig: die ZURIGA T2 lässt sich komplett ohne App bedienen. Auch auf der Maschine lassen sich Live-Werte auslesen und Brühparameter verändern, von der Temperatur über den Soll-Druck bis zur Ausgabemenge. Gesteuert wird über ein dezent integriertes Drehrad aus Edelstahl.
Kyle, du hattest vorher beim Rundgang durch euer Studio immer wieder erwähnt, wie wichtig dir das «design for circularity» ist.
K: Absolut. Wir arbeiten bei Solá Solá mit Marken aus der ganzen Welt zusammen und gestalten die unterschiedlichsten Produkte - von Rollschuhen und Brillen über Sneakers bis hin zu Espressomaschinen. Und gerade bei diesem Objekt - bei dem so viel Stahl, Aluminium und auch elektronische Komponenten verbaut sind - müssen wir uns besonders viele Gedanken über die Nachhaltigkeit machen.
An was denkst du konkret?
K: Ihr habt als ZURIGA einen riesigen strukturellen Vorteil - und ich bin mir gar nicht sicher, ob ihr euch dessen bewusst seid…
…einen strukturellen Vorteil?
K: Ja, ihr kontrolliert die ganze Kette, ihr könnt sie aktiv gestalten. Ihr macht Design und Engineering selber, ihr baut sie selbst, verkauft sie und irgendwann werdet ihr sie auch warten und reparieren. Ihr könnt also ganz am Anfang bereits an den Schluss denken.
M: Ja, und genau das tun wir auch bei ZURIGA. Wir denken ganz am Anfang schon ans Ende. Wir entwickeln unsere Maschine so, dass wir sie irgendwann einmal gut reparieren können. «Designed to repair» ist im Massenmarkt noch ein Nischenphänomen, aber es bekommt langsam immer mehr Fahrt. Bei ZURIGA macht dieser Ansatz glücklicherweise auch kommerziell Sinn. Eine gut reparierbare Maschine können wir später elegant und mit wenigen Ersatzteilen reparieren. Entsprechend günstig sind die Preise für unsere Reparaturen für unsere Kunden. Und trotzdem verdienen wir damit Geld.
Seht ihr diese Bestrebungen auch bei anderen Kunden?
I: Ja, die Kreislauffähigkeit ist schon auch bei anderen Kunden ein wichtiges Thema. Aber durch die stark fragmentierte Wertschöpfungskette kennen viele Marken den Produktionsort ihrer Produkte nicht so genau - und viele wissen nicht genau, was ihre Endkunden dann mit den Produkten machen, ob sie die Produkte reparieren lassen oder eben dann doch wegwerfen. Ihr habt da also einen grossen Vorteil. Wenn wir als Designer mit unserem Entwurf dazu beitragen können, diesen Kreislauf zu schliessen, dann macht uns das glücklich.
Apropos Glück, was bleibt in Erinnerung aus dieser Kooperation?
I: Neben der Maschine, dem Endprodukt also - auf das wir schon mit einem gewissen Stolz blicken - ist auch die Zusammenarbeit mit euch in Erinnerung. Ihr habt einen guten Blick auf «Design» als Disziplin. Ihr versteht Design nicht einfach als «am Schluss noch etwas schön oder ästhetisch machen», sondern als ganzheitlichen Prozess, der tief in die gesamte Produktentwicklung eingebunden ist.
K: …ja, das ist mir auch in unserem neusten, noch vertraulichen Projekt wieder aufgefallen. Diese kollaborative Arbeitsweise bei euch in der ZURIGA Manufaktur, wie ihr alle an einem Tisch steht. Für uns als Designer ist es enorm wertvoll, wenn eine erfahrene Ingenieurin mit am Tisch sitzt und die Fertigungstechniken einordnen kann. Die Zusammenarbeit von Design, Produkt, Engineering und möglichst früh eben auch schon mit den Menschen aus der Produktion und den Service- & Reparatur-Spezialisten, diese Diskussionen, das Abwägen und das gemeinsame Suchen nach der besten Lösung, genau das macht den Beruf des Designers so spannend und bereichernd.
Gibt es auch Dinge, die ihr anders machen würdet?
I: Ja. Die gibt es eigentlich immer - aber das ist ein völlig natürlicher Teil eines gesunden Design-Prozesses. Diese Schraube hätten wir verdecken müssen, die Schattenfuge müsste vielleicht noch etwas breiter sein. Aber nur so funktionieren derart komplexe Projekte. Jede Frage muss zu einem bestimmten Zeitpunkt des Projekts beantwortet werden. Danach schliesst sich das Fenster. Wenn man das nicht aushält und jedes Kapitel nochmal aufmacht, dann kriegt man ein so komplexes Projekt am Ende nie «auf den Boden».
M: Das kann ich nur bestätigen, wir hatten solche Zweifel bei jedem Projekt bisher. Dagegen hilft eigentlich nur Distanz und ein bisschen Zeit. Am Schluss ist es auch das, was mich am ZURIGA T2 Projekt so freut. Wir haben ein komplexes technologisches Produkt mit höchster Anforderung ans Design vor uns stehen - ganz egal ob man die Augen zukneift oder offen hat.